Mai 08
digitalisierung der arbeitswelt

Digitalisierung der Arbeitswelt: Jeder Vierte verliert den Anschluss?

Die Digitalisierung der Arbeitswelt trennt die Vorreiter ganz klar von den Nachzüglern. Jedes vierte Unternehmen läuft Gefahr, den Anschluss zu verlieren. Die Studie „Beyond the Hype: Which Companies are the Real Champions of Building the Digital Future“ der Boston Consuting Group, kurz BCG, hat 700 Unternehmen in Deutschland und den USA zu deren Einschätzung in Bezug auf den Reifegrad der Digitalisierung im eigenen Unternehmen befragt.

Digitalisierung der Arbeitswelt im Ländervergleich: USA vs. Deutschland

Den Spitzenreitern aus den USA gelingt es im Vergleich zu deutschen Vorreitern sehr gut, digitalen Fortschritt in zusätzliche Unternehmenswerte umzusetzen (USA: 78 DAI-Punkte/Deutschland: 68 DAI-Punkte). Deutsche Vorreiter-Firmen hingegen stehen beim Thema Digitalisierung hingegen noch etwas weiter am Anfang und sehen ihre Stärken in der Entwicklung klarer digitale Zielbilder für das gesamte Unternehmen (Deutschland: 89 DAI-Punkte/USA: 74 DAI-Punkte). Damit sind sie gut aufgestellt, um bei den US-Vorbildern aufzuholen: eine wichtige Grundlage für die Verwirklichung der Digitalisierung der Arbeitswelt sind zum einen ambitionierte Ziele und zum Anderen eine stringente und konkrete Planung der Umsetzungs-Maßnahmen.

Je mehr sich die Unternehmen bei der Digitalisierung zutrauen, desto größer sind auch ihre Fortschritte Richtung Wettbewerbs- und Zukunftsfähigkeit,

sagt Michael Rüßmann, Senior Partner und Experte für Technologie und digitale Transformation bei BCG.

Die Digitalisierung der Arbeitswelt betrifft alle Unternehmensbereiche. Digitalisierung findet auch in der Produktion statt. Industrie 4.0 die Rolle der Instandhaltung in diesem Umfeld spielen ein wichtige Rolle. Folglich kann ich die Digitalisierung nicht losgelöst betrachten sondern vielmehr auch im Kontext der Themen IoT (Internet of Things) und Industrie 4.0. Doch viele kritische Stimmen werden an dieser Stelle oft laut und fragen:

Digitalisierung, IoT, Industrie 4.0 – sind das nicht alles aufgeblasene Wortkreationen, die alle das Gleiche meinen?

Nein, ganz und gar nicht. Ohne die Digitalisierung gäbe es gar kein Internet of Things und ohne IoT keine Industrie 4.0. All diese Themen ergeben in Summe also ein gemeinsames und von Rückkopplungen geprägtes Konstrukt – das nur existieren kann, weil seine individuellen Bausteine wechselseitig miteinander interagieren. Damit Sie die Ergebnisse der Studie richtig interpretieren können, brauchen Sie erst einmal ein konkretes Verständnis der oben genannten Begriffe. Sollten Sie hier schon up-to-date sein, können Sie diesen Part natürlich gerne überspringen. In aller Kürze könnte man das in etwa so erklären:

Jeder kennt das Wort „Digitalisierung“, doch was bedeutet das konkret?

Prozesse, Dinge und Geschehnisse auf der Welt unterliegen einem extremen Wandel, der von einer stark wachsenden Nutzung digitaler Technologien und Gerätschaften geprägt ist. Die digitale Transformation, oder auch digitale Revolution beschreibt diesen Veränderungsprozess unserer Welt mittels Informations- und Kommunikationstechnik.

… was ist mit IoT und Industrie 4.0?

IoT steht für „Internet of Things“ und steht u. a. für die Kommunikation und Interaktion von Mensch und Maschine bzw. Maschine und Maschine (M2M = Maschine-zu-Maschine-Kommunikation). Die sogenannten „Things“ sind mit dem Internet verknüpft und können so durch Internet-basierte Services angesprochen werden. Solche „Things“ können das eigene Smartphone sein, Wearables wie z. B. eine Smartwatch oder auch der Kühlschrank, der automatisch knappe Vorräte bei amazon nachbestellt. Im industriellen Sektor besteht die IoT-Welt aus Maschinen, Sensoren, Robotern und ähnlichen Dingen. Auch ganze Produktionsanlagen können damit gemeint sein. Hier kommen wir auch schon beim Thema Industrie 4.0 an: der Arbeitskreis 4.0 definiert diesen Begriff als:

Eine Vernetzung von autonomen, sich situativ selbst steuernden, sich selbst konfigurierenden, wissensbasierten, sensorgestützten und räumlich verteilten Produktionsressourcen (Produktionsmaschinen, Roboter, Förder- und Lagersysteme, Betriebsmittel) inklusive deren Planungs- und Steuerungssysteme.

Na, merken Sie etwas? Genau: unter anderem IoT macht die Industrie 4.0 im Rahmen der Digitalisierung der Arbeitswelt erst möglich.

Zurück zur Studie: Telekommunikationsbranche top, Maschinenbau hängt hinterher

Der größte Anteil an Vorreitern findet sich – sowohl in Deutschland als auch in den USA – in der Telekommunikationsbranche (Deutschland: 31 Prozent/USA: 41 Prozent). Viele Vorreiter bei der Digitalisierung der Arbeitswelt zeigen sich in beiden Ländern auch unter den Technologie-Unternehmen (Deutschland: 24 Prozent/USA: 29 Prozent) und den Banken (Deutschland: 29 Prozent/USA: 27 Prozent). Der deutsche und der US-amerikanische Maschinenbau gehört der eigenen Einschätzung zufolge zu den Branchen mit dem geringsten Vorreiter-Anteil (Deutschland: 20 Prozent/USA: 19 Prozent). Dazu Michael Rüßmann:

Viele Maschinenbauer stehen vor der Entscheidung, ob sie vor allem Maschinen verkaufen, oder darüber hinaus auch IT-Produkte in den Bereichen Datenanalyse, künstliche Intelligenz und Robotics anbieten wollen. Dazu müssen sie aber mehr investieren, insbesondere in ihre Software- und IT-Fähigkeiten und in die Digitalisierung ihrer Prozesse.

Was können wir uns von den Vorreitern „abgucken“?

Im Rahmen der Studie hat die BCG drei Faktoren identifiziert, mit denen ein Unternehmen selbst zum digitalen Vorreiter werden kann:

  • Investieren Sie: Die Hälfte der Vorreiter hat ein digitales Investitionsvolumen, das mehr als fünf Prozent (!) der Betriebskosten ausmacht.
  • Rekrutieren Sie digitale Talente: Der Anteil digitaler Jobs wurde von rund der Hälfte der Vorreiter auf ein Zehntel erhöht.
  • Leben Sie Ihre digitale Kultur: Die Vorreiter-Unternehmen zeichnen sich auch vor allem dadurch aus, dass ihre digitale Organisation fortschrittlich etabliert und die digitale Arbeitswelt als fester Bestandteil in der Unternehmenskultur verankert ist.

„Der Fisch fängt vom Kopf zu digitalisieren an“

Digitalisierung ist Chefsache. Nur wenn der Vorstand ambitionierte Ziele setzt und diese über ein Transformation-Office steuert, gelingt der digitale Wandel. Entscheidend ist auch, neue digitale Produkte in einer verantwortlichen Einheit zu verankern und in der gesamten Organisation verstärkt mit agilen Methoden zu arbeiten. Vorreiter vermeiden ferner die Pilotierung rein technischer Gimmicks und nutzen Prozessdigitalisierung, um die Performance zu steigern,

erläutert Michael Rüßmann. Sitzt in einem Unternehmen ein Vorstand der von Zukunftsvisionen geprägt ist und die Agenda der digitalen Revolution vorantreibt, hat ein solches Unternehmen klares Potenzial, ein Vorreiter zu sein. Die Planung der Vorreiter zeugt von Ihrem Ehrgeiz: Bis 2020 steht laut ihren Angaben vor allem der Ausbau der digitalisierten Produktion („Hallo IoT und Industrie 4.0!“) sowie eine auf Effizienz ausgerichtete Aufrüstung ihrer Unternehmens-IT auf der Agenda. Es riecht also förmlich nach Veränderung, nach Aufbruchsstimmung, so auch Michael Grebe:

Mit Beginn der Digitalisierung haben sich viele Unternehmen einen regelrechten IT-Dschungel aufgebaut. Wer sich jetzt in einer Position der Stärke befindet, sollte diese nutzen, um sich auch von Altlasten in der digitalen Infrastruktur zu befreien.

Auch bei den Nachzüglern kommt die Digitalisierung der Arbeitswelt endlich in die Gänge

So haben viele der Nachzügler angegeben, dass sie sich im Laufe der nächsten Jahre um die Digitalisierung ihrer Prozesse und der damit verbundenen Optimierung ihrer Unternehmens-IT kümmern wollen. Ebenfalls ein großes Thema ist die digitale Kundenansprache und eine effiziente und effektive Nutzung von Kunden- und Unternehmensdaten. Dazu Grebe:

Die digitale Kundenschnittstelle auszubauen und auch für die Gewinnung von Daten zu nutzen, ist für digitale Nachzügler ein wichtiger Schritt. Nur so können sie in Zukunft nachhaltig Umsatz machen und sich Investitionsspielraum verschaffen.

Meinung des Autors

Mir fällt in der Frage rund um die Diskussion zur Digitalisierung der Arbeitswelt und Industrie 4.0 immer wieder auf, dass kaum über die Frage:

Welche Unternehmensbereiche sind davon betroffen?

gesprochen wird. Im Rahmen von Industrie 4.0 steht häufig nur die Produktion im Vordergrund. In den Fragen der Digitalisierung sind es dann schon eine Vielzahl von betroffenen Unternehmensbereichen. Zum Beispiel der Vertrieb im Umgang mit den Interessenten und Kunden. Dann das Marketing im Zugang zu potentiellen Märkten um herauszufinden, was potenzielle Kunden überhaupt suchen und wie man diese ansprechen kann. Doch was ist mit den Mitarbeitern, die die Bereitstellung der Produkte für die Kunden erst möglich machen? Kaum jemand spricht über die, die letztendlich die Verantwortung tragen, dass Maschinen möglichst noch seltener ausfallen – was in Konsequenz doch für eine verlässlichere Produktion und eine bessere Erfüllung der Kundenanforderungen sorgt. Es könnte fast der Eindruck entstehen, dass die Instandhaltung und der Service im Unternehmen weiterhin nur am Rande einbezogen werden.

Doch sieht man am eben genannten Beispiel ganz klar, dass auch die Instandhaltung einen wesentlichen Teil zur Verbesserung des Angebots-Portfolios und damit einen Teil zur Wertschöpfung beiträgt. Mein Appell auch hier: Binden Sie die Instandhaltung eng in Ihren Fahrplan zu Digitalisierungs- und Industrie 4.0-Vorhaben ein. Enterprise Asset Management ist ein zentraler Baustein in diesen Zeiten. Fehlt dieser oder ist nicht optimal integriert, verlieren Sie den Wettstreit mit ihren Konkurrenten.

Über die Studie

Die Studie liegt dem „Digital Acceleration Index“ (DAI) von BCG zugrunde. Hierfür haben 700 Befragte in Deutschland und in den USA den digitalen Reifegrad ihrer Unternehmen in 27 verschiedenen Dimensionen selbst eingeschätzt. Zu den folgenden Bereichen wurde ihre Einschätzung abgefragt: vision, target strategy and priorities/new businesses and ventures/digitized/customer engagement/technology and operations/digital capabilities.

Sie wollen die Quintessenzen der Studie nochmals verinnerlichen? Diese schicke Infografik veranschaulicht die Ergebnisse der Studie auf klare und ansprechende Weise:

Infografik zur Studie zur Digitalisierung der Arbeitswelt

Infografik der BCG zur Digitalisierung der Arbeitswelt

Weitere Quellen:

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Detlef Aden

Technik ist meine Leidenschaft. Mein Fokus liegt auf der intelligenten Verknüpfung von Prozessen und Technologie. Ich bin Ihr Ansprechpartner für Enterprise Asset Management und technischen Service.